Abklärung
Am Anfang stehen das Gespräch und die klinische Untersuchung – sie liefern bereits die meisten Hinweise. Ergänzt werden sie durch den Ultraschall mit Farbdarstellung des Blutflusses: Er zeigt, ob es sich um eine langsam oder um eine schnell fliessende Fehlbildung handelt, und diese Unterscheidung bestimmt die weitere Planung.
Bei ausgedehnten Befunden folgt eine Magnetresonanztomographie (MRI), meist ergänzt durch eine kontrastmittelgestützte MR-Angiographie. Damit lassen sich die Art der Fehlbildung und ihre Ausdehnung in Muskeln, Gelenken und Knochen genau erfassen – die Grundlage jeder Therapieplanung. Sind Lymphgefässe beteiligt, kommen spezialisierte Untersuchungen des Lymphsystems dazu.
Weil Gefässfehlbildungen ganz unterschiedliche Körperregionen betreffen und bei Kindern wie bei Erwachsenen auftreten, braucht die Abklärung ein Team aus mehreren Fachgebieten – ärztliche Fachpersonen verschiedener Disziplinen, Physiotherapie, Ernährungsberatung.
Genetische Grundlagen
Den meisten Gefässfehlbildungen liegen Veränderungen im Erbgut einzelner Zellen zugrunde, die früh in der Embryonalentwicklung entstehen. Sie betreffen nur das erkrankte Gewebe und werden in aller Regel nicht vererbt. Bemerkenswert ist, dass es sich häufig um dieselben Veränderungen handelt, die auch in Tumorzellen vorkommen – sie treiben das Wachstum der Gefässe an, ohne dass eine Krebserkrankung vorliegt.
Daraus hat sich in den letzten Jahren eine neue Behandlungsmöglichkeit ergeben: Medikamente, die für die Krebstherapie entwickelt wurden, können gezielt in genau diesen Signalweg eingreifen. Es handelt sich nicht um eine Chemotherapie im herkömmlichen Sinn, sondern um Substanzen, die auf die jeweils nachgewiesene Veränderung zugeschnitten sind – Präzisionsmedizin. Voraussetzung ist eine molekulargenetische Untersuchung des betroffenen Gewebes.
Ein kleiner Teil der Gefässfehlbildungen wird dagegen in der Familie weitergegeben. In diesen Fällen sind eine genetische Beratung und die Abklärung von Angehörigen sinnvoll, ebenso bei Fragen zur Familienplanung.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist fast nie die vollständige Beseitigung, sondern die Linderung der Beschwerden, der Erhalt der Funktion und die Vermeidung von Folgeschäden. Weil eine unvollständige oder nicht angezeigte Behandlung die Beschwerden auch verschlechtern kann, gehört vor jeden Eingriff eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiko – und ein Gespräch, in dem diese Abwägung offengelegt wird. Beschwerdefreie Veränderungen werden allein aus kosmetischen Gründen nur zurückhaltend behandelt.
Den Ausgangspunkt bilden meist konservative Massnahmen: Kompressionsversorgung, Physiotherapie und Lymphdrainage, Schmerzbehandlung, bei Bedarf Ernährungsberatung.
Die meisten Gefässfehlbildungen lassen sich minimal-invasiv behandeln – durch Verödung (Sklerosierung) über eine direkte Punktion, in der Regel ambulant, oder durch einen kathetergestützten Verschluss der fehlgebildeten Gefässe (Embolisation), meist in Narkose und stationär. Ergänzend kommen die Lasertherapie an der Haut, plastisch-chirurgische Eingriffe und die oben beschriebenen medikamentösen Therapien zum Einsatz. Offene Operationen sind technisch anspruchsvoll und erfordern die Zusammenarbeit von Gefässchirurgie und plastischer Chirurgie.
Ebenso wichtig wie der einzelne Eingriff ist die langfristige Begleitung: Gefässfehlbildungen verändern sich über die Jahre, und Behandlungsentscheide müssen immer wieder neu abgewogen werden.